Parteienspiegel

Die Parteien und die "Alten"
Das Superwahljahr verlockt auch die Parteien, sich um die großen sozialen Gruppen innerhalb der Republik zu kümmern oder sagen wir besser, sie zu hofieren. Von diesen "Liebesbekundungen" ist auch die Gruppe der über 50-jährigen nicht sicher, sind sie doch für den Ausgang der Wahlen mehr als bedeutsam. Da verwundert es nicht, wenn man sich nun erinnert und eben diese Gruppe eifrig umwirbt. Natürlich ist auch hier nicht davon auszugehen, dass die Versprechungen eingehalten werden und die getroffenen Aussagen sind durchaus mit Vorsicht zu genießen.

 

Wir haben uns die Aussagen der verschiedenen Parteien angesehen und überprüfen sie auf ihre Glaubwürdigkeit, denn ein kritischer Blick auf die Wahlversprechen kann hier sicherlich nicht schaden.


CDU

Die CDU
Natürlich ist die angesprochene Wählerschaft für die Christdemokraten wichtig. Und so ist man denn auch bemüht, ihren Ansprüchen gerecht zu werden. Auf der Website der Bundespartei ist denn auch folgender Text zu finden:

Die CDU Deutschlands weitet im Superwahljahr ihre Mitgliederkampagne aus. Unter dem Motto "Union der Generationen - Gut für jung und alt" will sie gemeinsam mit der Jungen Union und der Senioren-Union gezielt Jüngere und Ältere als neue Mitglieder gewinnen. Die genauen Kampagnenelemente werden CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla, der Vorsitzende der Senioren-Union Deutschlands Prof. Dr. Otto Wulff und Philipp Mißfelder, Vorsitzender der Jungen Union Deutschlands, heute Abend im Konrad-Adenauer-Haus vorstellen.

"Mit vereinten Kräften wollen wir neue Mitglieder gewinnen - vom Junior bis zum Senior. Denn die CDU ist gut für jung und alt", erklärte Ronald Pofalla im Vorfeld. "In keiner anderen Partei in Deutschland funktioniert die Zusammenarbeit zwischen älterer und jüngerer Generation so gut wie bei uns. Die CDU ist die Partei der Generationengerechtigkeit. Wir wissen: Nur gemeinsam sind wir stark."

Nahezu grotesk mutet es allerdings an, wenn hier ausgerechnet der in der Vergangenheit im Zusammenhang mit Seniorenpolitik eher unangenehm aufgefallene Phillip Mißfelder in der ersten Reihe steht und um die Gruppe wirbt, die er nicht zu verstehen scheint und man bislang den Eindruck gewinnen musste, Menschen ab 50 seien ihm eher suspekt. Er führt dazu aus:

"Die Union ist die einzige Partei, in der Ältere und Jüngere miteinander diskutieren und gemeinsame Ideen für die Zukunft unserer Gesellschaft entwickeln", betonte Philipp Mißfelder. "Im Wahljahr werden wir das erfolgreiche Zusammenspiel von Junger Union und Senioren-Union noch einmal auf allen Ebenen intensivieren - überwiegen bei allen Unterschieden doch die Gemeinsamkeiten zwischen Großeltern, Eltern und Enkeln."

Wir fragen uns, wer das glauben soll und wir fragen uns gleichsam, was die CDU wohl geritten haben mag, ausgerechnet mit Phillip Mißfelder den Schritt in die Öffentlichkeit zu wagen. Sonderlich glaubhaft ist dieser Auftritt nach den Ereignissen in diversen Talk-Shows jedenfalls nicht. Natürlich wünschen wir auch Herrn Mißfelder, dass er dazugelernt hat und möchten ihm die Fähigkeit dazu auch nicht absprechen. Wir werden ihn jedoch sicher weiter beobachten und sind gespannt, ob es sich hier nur um Wahlkampfgetöse oder um einen ehrlichen Sinneswandel handelt.

 

FDP

Die Liberalen beziehen sich – wie übrigens alle Parteien – auf die Personengruppe 60+. Für das Segment ab 50, das eine enorme Relevanz besitzt, macht sich auch dort scheinbar niemand stark. Immerhin gesteht die FDP der benannten Gruppe Selbstbestimmtheit und Leistungsfähigkeit zu und erkennt ihre Rolle innerhalb der Gesellschaft an. Sehr schade ist allerdings die diskreditierende Wortwahl der aktuellen Kampagne. Die Generation 60+ wird dort als »Goldtimer« bezeichnet. Eine derartig unglückliche Bezeichnung wird vermutlich sehr jungen Werbern eingefallen sein.

»Unsere Goldtimer packen mit an und engagieren sich in Ehrenämtern. Egal ob in Nachbarschaftstreffs, Vereinen, Bürgerinitiativen oder Parteien – Goldtimer sitzen nicht still, sondern gestalten unsere Gesellschaft.« schreibt die FDP in ihrem Programm. Hinzu gesellt sich der Goldtimer Zukunftsabend, Goldtimer Sport und ein Goldtimer Frühstück zur Ehrung besonderer Persönlichkeiten. Vorschlag 8 dann endlich befasst sich mit Goldtimern in Unternehmen. Hier immerhin scheint man verstanden zu haben, dass die Generation nicht zum alten Eisen zählt und auch einen wirtschaftlichen Wert besitzt. Abgesehen von der zu hoch gegriffenen Altersgrenze und dem stigmatisierenden Begriff des Goldtimers, scheint der Ansatz zumindest stimmig zu sein. Weitere Informationen dazu finden sich im Internet unter goldtimer.fdp.de.

 

SPD

Die Sozialdemokraten verwiesen auf Anfrage auf das aktuelle Partei/Wahlprogramm und auf ihre Initiative 60 plus (http://www.ag60plus.de/), die jedoch ebenfalls nur auf die Gruppe der über 60-jährigen fokussiert und das Jahrzehnt davor außer Acht lässt. Zwar sind die Forderungen der SPD durchaus nachvollziehbar, doch greifen auch sie zu kurz und konzentrieren sich zu sehr auf den Bereich des Prekären, der zwar seine Berechtigung hat, aus dem Alter aber eben nicht ausschließlich besteht. Themen, die für die Menschen innerhalb der Gruppe 50+ relevant sind, werden hier nicht behandelt. Auch hier klafft eine Lücke zwischen der Gruppe der 30 bis 50-jährigen und denen, die das Renteneintrittsalter erreicht haben oder bereits Rentenleistungen empfangen.

 

Bündnis 90 Die Grünen

Auf Nachfrag erreichte uns von den Grünen Schriftgut über die Aspekte Neue Wohnformen im Alter, sowie Pflege und Erwerbstätigkeit. Auch DIE GRÜNEN gingen nicht weiter auf unsere Anfrage, die speziell die Generation 50+ thematisierte, ein. Auch die ehemals alternative Partei verfügt hier scheinbar nicht über ausreichende fachliche Kompetenz. Wie innerhalb anderer Parteien auch, liegt der Verdacht nahe, dass man dieses Thema nicht angehen möchte, obwohl es sich geradezu aufdrängt. Gerade heute in Zeiten der Krise fallen gerade Menschen innerhalb dieser Generation der Arbeitslosigkeit zum Opfer, was nicht selten zur Folge hat, dass diese Situation sich durch den Aufbrauch finanzieller Mittel dann auch im Alter bemerkbar macht.

 


Fazit

Sonderbar ist es schon, dass die relevanten Parteien innerhalb der Bundesrepublik nur unter Mühen in der Lage sind, einfache Fragen zu beantworten und sich darauf beschränken, mehr oder weniger sinnvolle Abhandlungen über die Generation 60+ zu übermitteln. Zwar sind diese gut gemeint und beinhalten zum Teil auch durchaus nachvollziehbare und verwertbare Vorschläge, treffen aber nicht den Kern der Anfrage. Wir müssen davon ausgehen, dass es sich in der Politik noch nicht herum gesprochen hat, dass das Nachdenken weit vor der Generation 60+ beginnen muss. Statements, die den Senioren einen Wert beimessen, sind zwar nett zu lesen, verkennen jedoch das Problem des Alterns über einen längeren Zeitraum vollständig. Es gibt Gründe, die Generation 50+ ins Spiel zu bringen. Von ihr wird verlangt, länger zu arbeiten, als die Generationen davor. Zeitgleich verlieren immer mehr Menschen innerhalb dieser Gruppe ihren Job und der Wiedereinstieg ist dann sehr viel schwerer, als in jüngeren Jahren. Auch Weiterbildung zur beruflichen Qualifikation kann nicht erst mit Altersstudiengängen beginnen. Der Zeitpunkt ist falsch gewählt. Leider bleiben viele Fragen an die Parteien hier unbeantwortet und wir befürchten, dass man einfach noch nicht begriffen hat, wo die Probleme wirklich liegen. Drollige Bezeichnungen wie »Goldtimer« oder »heiße Tipps« zur Pflege helfen jedenfalls allein nicht weiter.

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